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Nicht alles geht so schnell wie Paragraf 13


Um mal etwas fürs Volk zu tun, führte die #EU letztes Jahr für viele angenehm überraschend eine informelle, digitale #Volksbefragung zum Thema #Sommerzeit und #Uhrenumstellung durch. Eine überwältigende Mehrheit derer, die mitgemacht haben (es waren etwas über 4 Millionen Menschen), hat sich für die Abschaffung der Uhrenumstellung eingesetzt (aber auch für die dauerhafte Beibehaltung der Sommerzeit). Junker daraufhin ganz salopp: "na wenn die Leute das so wollen, dann machen wir das". Boa ey, waren die da mal volksnah! Es war halt ein relativ unkritisches Thema, mit dem man mal bei den sonst immer Vergessenen punkten wollte. Doch ganz so einfach ist das jetzt doch nicht. Denn es gibt keine EU-weite alternative Regelung. Würde die EU die Sommerzeit einfach abschaffen, könnte jedes EU-Land tun und lassen was es will, mit dem möglichen Ergebnis, dass Spanien plötzlich zwei Stunden hinter Deutschland ist, Polen lieber mit Moskau zeitgleich sein möchte und Belgien eine andere Zeitzone wünscht als die Niederlande. Nun kratzen sich alle am Kopf und haben beschlossen, die Sommerzeit doch noch nicht 2020 abzuschaffen, sondern "frühestens" 2021. Wahrscheinlich kommt der Kohleausstieg am Ende noch eher.

Ende der Winterzeit: Europaparlament will Zeitumstellung bis 2021 abschaffen - WELT

Eigentlich sollten die Uhren schon in diesem Jahr zum letzten Mal umgestellt werden. Doch die Regierungen der EU-Länder bremsen, weil sie einen Flickenteppich aus unterschiedlichsten Zeitzonen fürchten. Jetzt treibt das Europaparlament das Thema weiter voran.
@Stefan Münz
Würde die EU die Sommerzeit einfach abschaffen, könnte jedes EU-Land tun und lassen was es will...

Wie kommst du darauf?
Die einzige Konsequenz wäre, dass man wieder zur Normalzeit zurückkehren würde. Das hat mit Zeitzonen gar nichts zu tun. Alle EU-Länder wären weiterhin in den gleichen Zeitzonen wie bisher nur dass es im Sommer keine Zeitumstellung mehr gäbe.

@Oliver Zimmermann Ich habe nur wiedergegeben, was in dem verlinkten Artikel steht. Nicht, was aus logischer Sicht vernünftig wäre :-)

@Stefan Münz Ah, ich dachte das wäre deine Meinung.
Aber gut, was will man von WELT auch erwarten

Das ist nicht nur WELT. Es gibt tatsächlich auch jetzt Unsinn. Warum hat La Coruña die die gleiche Zeit wie Danzig? Das ist aus Längengrad-Einteilungssicht völliger Blödsinn. Wenn die jetztige Regelung kippen würde, würden nationale Begehrlichkeiten entstehen, die zum Teil auch gerechtfertigt wären. Spanien hat nur deshalb unsere Zeit, weil Franco die gleiche Zeit wollte wie Hitler. Könnte man doch auch mal wieder entsprechend der Geographie zurechtrücken. Und so gibt es viele andere Beispiele.

@Stefan Münz Bei Spanien gebe ich dir geographisch gesehen Recht. Im Zuge der Umstellung können die auch gerne Abstimmen, ob sie wieder in ihre eigentliche Zeitzone zurück wollen. Allerdings leben die seit über 60 Jahren damit. Der Großteil wird es also vermutlich gar nicht anders kennen und es als normal empfinden. Viele andere Beispiele fallen mir dabei allerdings nicht ein. Spontan sogar keines.

Dabei könnte die Lösung doch so einfach und universell sein:
Eine gemeinsame Weltzeit: UTC (o.ä.) und gut ist!

@Jost Schwider Solche Versuche hat es ja schon gegeben, z.B. die Swatch-Internetzeit. Hat sich aber alles nicht durchgesetzt, weil es halt viel einfacher ist, alles kompliziert zu lassen :-)

@Stefan Münz Nunja, die Swatch-Geschichte war ja nur eine Werbeaktion - kein Wunder, dass sich das nicht durchsetzte. ;-)

Die Swatch-Internetzeit lese ich hier gerade zum ersten Mal. Den Ansatz finde ich allerdings mehr als ungünstig. Wenn es Weltweit im selben Moment die selbe Uhrzeit hat, verliert man dabei doch völlig das Gefühl dafür, welche Tageszeit momentan in einem anderen Teil der Erde herrscht. @500 bei uns wäre Mittag wohingegen @500 in New York 6 Uhr früh wäre. Ich fände das Beibehalten einer lokalen Tageszeit schon sehr sinnvoll.

@Oliver Zimmermann Ja, beim Verzicht auf Zeitzonen gäbe es halt nur noch eine Uhrzeit für alle, ob das nun das bekannte 24*60*60-Schema wäre oder so was wie das Beat-Schema von Swatch. Klar wäre das ungewohnt. Aber es wäre nur Gewöhnungssache. Es regt sich doch auch niemand in Deutschland darüber auf, auf dem 10. Längengrad Ost zu leben, und auch nicht darüber, dass es in Nigeria ebenfalls Menschen gibt, die auf dem gleichen Längengrad leben. Es pocht niemand darauf, seinen eigenen Nullmeridian zu haben, so wie bei der Zeit alle darauf pochen, null Uhr zu Mitternacht haben zu wollen. Bei den Geodaten leben wir also sehr gut mit nur einem Bezugssystem.

Der größere Einwand speziell gegen Zeitmaß-Systeme, die nicht das 24*60*60-Schema verwenden, ist m.E. eher der, der auch in dem Wikipedia-Artikel genannt ist: nämlich dass ja auch andere Maßeinheiten daran hängen, z.B. für Geschwindigkeit.

Wenn man übrigens tatsächlich mal den Nullmeridian für UTC0 als Ausgangspunkt nimmt und 360°/24h = 15 Längengrade pro Zeitzone annimmt, dann würde UTC0 idealerweise von ca. 7,5°W bis 7,5°E reichen. Das wäre perfekt für Portugal, Spanien, und auch Frankreich und Benelux. Für Deutschland dagegen wäre das perfekt, was wir ja auch schon haben, nämlich UTC+1h. Der ideale Erstreckungsraum dafür ist 7,5°E bis 22,5°E. Passt für Deutschland, aber z.B. auch noch gut für Polen. ABER: Frankreich/Benelux hätte dann eine andere Zeitzone als Deutschland, und das wäre ein absolutes NOGO unter EU-Politikern. Die gemeinsame Zeitzone ist so eine Art geheimer Friedensvertrag zwischen Deutschland und Frankreich :-)

Die Beats von Swatch waren eine tolle Idee imho. Wir haben damals nach dem Ende von Compuserve in "Compuserve 2000" "Compuserve classic" und "AOL-Foren" unsere virtuellen Treffen damit organisiert. @xxx Beats war halt ein fxer Termin überall auf der ganzen Welt.

Oh, jetzt kommen auch noch Erinnerungen an Compuserve ans Tageslicht hier ;-)

Du hast doch mit der Swatch Beat angefangen und bei den Einwänden musste ich halt auch mal eine alltägliche Erleichterung anführen.
Als Parallelzeitangabe finde ich die Beat-Time immer noch gut.

@Stefan Münz Vermutlich weil Meridiane und Längengrade im täglichen Leben der meisten Menschen eine eher untergeordnete Rolle spielen. Die Uhrzeit hingegen ist für alle ziemlich wichtig.
Ich sehe ja durchaus die Vorteile einer "Weltzeit" ohne Zeitzonen. Ich finde es aber auch schön zu wissen, dass in jeder Zeitzone der neue Tag um 0Uhr beginnt und 24 Stunden lang ist, die Leute vermutlich mehrheitlich jeweils um 8 Uhr anfangen zu arbeiten, um 12 Uhr Mittag essen und um 22 Uhr schlafen gehen (plus minus ein bis zwei stunden).
Das hätte man mit einer Einheitszeit eben nicht mehr, was bei jeder Urlaubsreise in eine andere Zeitzone vermutlich erst mal zu Verwirrungen führen würde.

Eine duale Zeitangabe, so wie es die Swatch anscheinend auch vorgemacht hat, wäre da meines Erachtens sinnvoller. Berlin 12:00 Uhr @500, New York 6:00 @500. Das tut keinem weh, man kann sich leichter orientieren und dennoch Zeitzonenübergreifend Termine vereinbaren.

Auch wenn es letztendlich wohl nur als Werbegag herhalten musste, war die Idee eigentlich gar nicht so dumm.